Das Projekt

Das Ziel des Projektes war und ist es, die Bürger des Landes zu ermutigen, sich aktiv, konstruktiv und couragiert in den Verständigungsprozess einzumischen. Das Projekt, das von der Landesstiftung Baden-Württemberg finanziell ermöglicht wurde, startete im März 2003. Es war zunächst auf einen Zeitraum von drei Jahren befristet. Federführend war die damalige Außenstelle Stuttgart - heute in durch den Fachbereich "Politische Landeskunde betreut. Die Ausstellung ist nun in überarbeiteter Form wieder zu sehen.

In Baden-Württemberg lebten im Jahr 2007 2,7 Mill. Menschen mit Migrationshintergrund. Diese Personengruppe setzt sich zusammen aus knapp 1,3 Mill. Ausländern und rund 1,4 Mill. Personen mit deutscher Staatsangehörigkeit. Damit liegt der Anteil der Bevölkerung mit Migrationshintergrund bei gut 25 % und damit deutlich über dem bundesweiten Migrantenanteil von 19 %. Davon besaß ca. ein Viertel einen türkischen Pass.

Deren überwiegende Mehrheit sieht sich als Muslime. Hinzu kommen Deutsche mit aus der Türkei, Bosnien und anderen islamisch geprägten Regionen eingewanderten Vorfahren sowie eine kleine Zahl von deutschen Konvertiten. Die islamische Religionsgemeinschaft ist mit über drei Millionen geschätzten Gläubigen die zweitgrößte Religionsgemeinschaft Deutschlands.

Am Thema "Islam" führt damit kein Weg mehr vorbei. Bürger und Gemeinden sehen sich damit konfrontiert, dass Menschen unter ihnen leben, die sowohl Teil unserer Welt wie auch Teil der Heimat ihrer Vorfahren sind. Die Kinder der ehemaligen Arbeitsmigranten, heute teils in der vierten Generation, sind häufig hin und her gerissen zwischen den Normen zweier Gesellschaftsordnungen, die vielfach kompatibel, aber nicht deckungsgleich sind. Ohne Zweifel besteht die Notwendigkeit, die begonnenen Integrationsprozesse zu vertiefen und fortzuführen. Dabei ist Integration nur als eine gegenseitige Bewegung vorstellbar. Sie verlangt Aufnahme- und Konfliktbereitschaft von beiden Seiten.

Bei Themen wie "Kopftuchurteil", "Islamischer Religionsunterricht", "Moscheebau" oder "Schächten" werden wesentliche Konfliktlinien offenbar. Oftmals zeigt sich, wie wenig man über seine muslimischen Nachbarn wirklich weiß. Unwissenheit verunsichert, Vorurteile können entstehen. Hinter Stichworten wie "Islam", "Fremde", "Migration" oder "Globalisierung" verbergen sich sehr komplexe Prozesse, die sich den Menschen nicht leicht erschließen. Die Landeszentrale für politische Bildung Baden-Württemberg setzt sich deshalb das Ziel, aktuelle und gesellschaftlich relevante Themen aufzugreifen. Sie bietet ein überparteiliches Forum, in dem umstrittene politisch-kulturelle Fragen diskutiert werden können.

Viele Nachfragen von Schulen und interessierten Bürgern zeigen, dass beim Thema "Islam" nach wie vor Informationsdefizite und ein großer Klärungsbedarf bestehen. Die Landeszentrale für politische Bildung reagiert auf dieses Interesse. Das Projekt "...mehr als nur Gäste -- demokratisches Zusammenleben mit Muslimen in Baden-Württemberg" knüpft an die aktuelle Situation, an Brennpunkte in der deutschen und internationalen Politik an.

Bereits vor Projektbeginn hat die Landeszentrale für politische Bildung Baden-Württemberg mit Angeboten, die einen speziellen Bezug zum Islam und der Situation von Migranten, den Grundstein für dieses Projekt gelegt.

Seit 1992 bieten wir eine - seit 2010 überarbeitete - Wanderausstellung zum Thema "Islam - Muslimisches Leben" an. Außerdem gibt es eine Auswahl von Veröffentlichungen der LpB, die im Kontext dieses Projekts vertiefende Informationen bieten. Parallel zum Islam-Projekt läuft das Projekt i-Punkt, das die Integration von ausländischen Mitbürgern fördert.



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